Modellprojekt HeLB

Helfen.Lotsen.Beraten.

Ein Projekt zur Erprobung multipler Beratungszugänge zu schwer erreichbaren und besonders vulnerablen Zielgruppen mit Schwerpunkt im ländlichen Raum in der Schwangerschaftsberatung

 

Im Fokus: weiße Flecken in der Beratungslandschaft
Mit dem HeLB-Projekt stellt donum vitae sich der Herausforderung, neben der bewährten Präsenzberatung in den bundesweit mehr als 200 Beratungsstellen die „aufsuchende Beratung“ in unterschiedlichen Formaten weiter zu entwickeln und in die weißen Flecken der Beratungslandschaft zu tragen. Neben der schlechten Verkehrsanbindung im ländlichen Raum gibt es viele Szenarien, die Frauen die Teilhabe an den Möglichkeiten der Schwangerschaftsberatung erschweren – und das nicht nur auf dem Land. Beispielsweise Migranten*innen, die orientierungslos durch das deutsche Gesundheits- und Beratungssystem irren.  Darüber hinaus sollen Menschen mit körperlichen, geistigen oder Sinnesbeeinträchtigungen erreicht werden, deren Mobilität eingeschränkt und für die eine Beratungsstelle nicht erreichbar ist oder denen das Angebot der Schwangerschaftskonfliktberatung unbekannt ist. Alle diese Gruppen werden von den herkömmlichen Angeboten der Schwangerschafts(konflikt)beratung schon im städtischen Raum oft nicht erreicht und auf dem Land noch seltener.

Wenn Frauen nicht zur Beratung kommen, müssen Beraterinnen zu den Frauen kommen
Deshalb sind diese und andere schwer erreichbare (schwangere) Frauen die Hauptzielgruppe des innovativen Beratungsansatzes von donum vitae, mit dem Anspruch: Wenn Frauen, Männer und Paare nicht zur Beratung finden, müssen Beraterinnen den Weg zu ihren Klient*innen finden. Sie müssen sich flexibel auf die jeweiligen Bedürfnisse der – vornehmlich weiblichen – Zielgruppen einstellen und dazu neue Wege in der mobilen Beratung erschließen, neue Wege, auch sprachlich eine Brücke zu bauen, neue Wege in der digitalen Kommunikation – alles, um den Zugang zu der Beratung, auf die alle Frauen ein Recht haben, möglichst niedrigschwellig zu gestalten. Und um so den Anspruch aus dem Schwangerschaftskonfliktgesetz § 2 umzusetzen: „Jede Frau und jeder Mann hat das Recht, sich in Fragen der Sexualaufklärung, Verhütung und Familienplanung sowie in allen eine Schwangerschaft unmittelbar oder mittelbar berührenden Fragen von einer hierfür vorgesehenen Beratungsstelle auf Wunsch anonym informieren und beraten zu lassen.“ 
Denn Beratung zu Themen wie Verhütung und Familienplanung, Sexualität und Gleichstellung, Schwangerschaft und Pränataldiagnostik ist ebenso wichtig wie Beratung zu unerfülltem Kinderwunsch, zu vertraulicher Geburt, bei Paarproblemen oder Erziehungsfragen bis zum 3. Lebensjahr. Auch Fragen im sozialrechtlichen Bereich oder zu Möglichkeiten finanzieller Unterstützung können bei der Beratung besprochen werden. Die Berater*innen lotsen ihre Klient*innen zudem weiter in das umfangreiche Beratungs- und Gesundheitssystem und vermitteln wertvolle Hilfe und Orientierung.

Neue Wege in der Beratung entwickeln
Unsere Gesellschaft ist zunehmend eine digitale Gesellschaft geworden. Um den damit verbundenen Wandel gestalten zu können, muss sich die Beratung diesen Herausforderungen stellen, denn die Mediennutzung steigt. Die Online-Beratung ist ein erprobtes Instrument niedrigschwelliger Beratung auch bei Themen, die sehr schambesetzt sind bietet dies eine ideale Möglichkeit für den Erstkontakt, ein Beratungsangebot, das rund um die Uhr und unabhängig vom Aufenthaltsort erreichbar ist. Dies gilt ebenso für Migrant*innen und Menschen mit Behinderung. donum vitae sieht sich in der Verpflichtung, neue Zugänge zu schwer erreichbaren Zielgruppen zu erproben. Dieses Instrument niedrigschwelliger Beratungsangebote gilt es weiterzuentwickeln, um sie an die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen anzupassen. 
 

Sprachliche Brücken
Im Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ hat donum vitae intensive Erfahrungen im Einsatz von Dolmetscher*innen bzw. speziell geschulten Sprach- und Kulturmittler*innen gesammelt. Es wurden Arbeitshilfen in den zehn meistverbreiteten Flüchtlingssprachen entwickelt und als Print- und Online- Versionen (www.schwangerschaft-und-flucht.de) für die Praxis zur Verfügung gestellt. Mit Blick auf weitere schwer erreichbare Zielgruppen ist auch der Einsatz von Gebärdensprachdolmetscher*innen und Dolmetscher*innen für Leichte Sprache angedacht.


Aufsuchend – mobil – digital: Schwangerschafts(konflikt)beratung der Zukunft
Das donum vitae-Modellprojekt „HeLB – Helfen. Lotsen. Beraten.“ verfolgt das Ziel, den aus unterschiedlichen Gründen schwer erreichbaren Frauen (und ihren Familien) einen möglichst niedrigschwelligen Zugang zu Beratungsangeboten zu bieten – nicht nur, aber vor allem im ländlichen Raum. Dazu wird das bestehende Beratungsangebot vor allem durch aufsuchende, mobile und digitale Angebote – selbstverständlich unter Beachtung striktester Datenschutz- und Schweigepflichtvorgaben – erweitert und weiterentwickelt. 
Neben der Präsenzberatung wird daher die aufsuchende Beratung für die genannten schwer erreichbaren Zielgruppen intensiver erprobt und ausgewertet. Exemplarisch werden digitale Möglichkeiten für die Beratungsarbeit implementiert: Email-Beratung, Chat-Beratung, Video- Beratung und Beratungsmessenger sowie Wiki-how-Angebote und Erklärfilme. 
Welche Zielgruppe passgenau mit welchen Beratungsformaten erreicht werden kann, wird projektbegleitend wissenschaftlich untersucht und in Bezug auf die spezifische Wirksamkeit systematisch ausgewertet werden.
 
Pilotstandorte 
An bundesweit angesiedelten Pilotstandorten erproben und vertiefen die Berater*innen multiple Zugänge zu schwer erreichbaren Zielgruppen. Die Aufgabe der Berater*innen ist, sowohl die im vorangegangenen Projekt erprobten Prinzipien der aufsuchenden Beratung im Format der „Triade“ Klient*in-Berater*in-Dolmetscher*in fortzuführen als auch digitale Beratungsformate und ihre Zugangsmöglichkeiten zu den so genannten schwer erreichbaren Zielgruppen zu erproben und weiterzuentwickeln. Zwei bis drei Standorte konzentrieren sich intensiv auf das vielversprechende Format der Videoberatung.
Die Berater*innen nutzen Ergebnisse der Vorgängerprojekte, u.a. bestehende Netzwerke und Kooperationen, z.B. mit Sexualpädagog*innen, Hebammen und Gynäkolog*innen, aber auch den Dolmetsch-Pool, der im Modellprojekt „Schwangerschaft und Flucht“ entstanden ist. Sie führen die erfolgreich implementierten Instrumentarien weiter fort. Regelmäßig stattfindende Workshops der Berater*innen gewährleisten den gemeinsamen Austausch und die Weiterentwicklung des Projekts und – genau wie Supervision und Fortbildungen – die Qualität der Beratungsangebote.